Pilgern - Erfahrungsberichte

Wie bist Du zum Pilgern gekommen?

von Gerda Bauer

Gerda BauerDie Zeit nach dem Pilgerweg 2OO1 bin ich schwanger gegangen mit der Erstellung dieser Broschüre. Nachtreffen, Telefonate, Konzeptänderungen, Bilderauswahl, Eintippen von Texten, Änderungen, Ergänzungen, Nachhilfeunterricht im Umgang mit dem Computer, Formatieren, und, und, und. Das alles ist geschafft und ich bin jetzt so weit , meine eigene Nachlese zu formulieren:

Ja, ich lebe tiefer und reicher, seit ich meinen Weg zu Gott gefunden habe. Ich gehe ihn täglich mit festen Schritten, fühle mich getragen von seinem Geiste. Das Leben bereitet mir keine Angst mehr. Ich fühle mich nicht mehr alleingelassen.

Mein Konfirmationsspruch von l963 hat mich erst vor zwei Jahren - als ich in einer großen persönlichen Krise stand - wirklich erreicht:

‚Der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.

Psalm 91,9

Ich fand meine Zuflucht konkret im Kloster Germerode. Eine Anzeige in der hiesigen Tageszeitung sprang mir ins Auge ‚Meditation und Mandala malen im Kloster Germerode mit Bert Kemming.‘

Ja, ich wollte mich nicht erklären müssen, denn ich hatte keine Worte. Ja, ich wollte nur meine Ruhe, meine innere Ruhe. Ja, ich wollte nur bei mir sein, in mich horchen, wieder Boden unter den Füßen haben.

Die Telefonnummer war schnell gewählt. Der Kontakt zu der Evangelischen Bildungsstätte geknüpft.

Ich erlebte dort die reichsten Tage in meinem Leben. Ich fand den Schlüssel zu mir selber, den Schlüssel zu dem Verborgenen, für mich nicht sichtbaren in meinem Leben und ich fand zurück in den Schoß der Kirche, der ich offiziell nie den Rücken gekehrt hatte.

Der Anfang war getan. Ich wusste aber auch, dass noch ein langer, beschwerlicher Weg vor mir lag.

Mit dem Pilgerweg 2OOO knüpfte ich ein Jahr später erneut den Kontakt zu Germerode und Manfred Gerland. Inzwischen war für mich viel passiert, das zu verarbeiten galt. Ich wusste ganz klar, dass ich noch viel abzulaufen hatte. Ich hatte endlich verstanden, dass man keine Phase des Lebens überspringen kann, dass jeder Schritt einzeln gegangen werden muss. Ich machte mich auf den Weg. Dieses mal gemeinsam mit Jochen, meinem Mann. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar, dass er mich in dieser schweren Zeit zum Teil wortlos begleitet hat. Die einzige Form, die ich damals brauchte.

Der Pilgerweg 2OOO war noch einmal eine Steigerung zu den Meditationstagen. Jetzt war ich bereit, mich auf die Worte Gottes einzulassen. Das tägliche Abendmahl bzw. die Eucharistiefeier haben mich bis tief in meine Seele erfasst. Mir wurde so viel Wärme, so viel Zuneigung, so viel innere Ergriffenheit, so viel Helligkeit, so viel Vergebung geschenkt, dass sich in mir die vielen ungeweinten Tränen lösten, endlich! Den inneren Frieden finden, dem Ziel rückte ich näher!

Nach dieser Woche fuhr ich mit dem Auto vom Hülfensberg allein nach Hause. Auf dieser Heimfahrt war ich so gefüllt von der Güte und Größe Gottes, mein Inneres war umgeben von einer Wärme, die fast schmerzte. So ein ähnliches Gefühl hatte ich nur einmal als junges Mädchen erlebt, als ich mich in meinen Mann verliebte.

Heute würde man sagen, ich hatte Schmetterlinge im Bauch. Ich fühlte mich wie auf einer Wolke getragen. Ich war so eins mit mir, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Ja, das wollte ich möglichst lange spüren, dieses satte Gefühl. Schon nach einigen Tagen merkte ich, dass man im normalen Alltag nicht in dieser Intensität leben kann, aber ich wusste auch, dass man sich Oasen schaffen bzw. Momente der Besinnlichkeit in den Tageslauf einbauen kann . Es gibt keinen Tag, den ich nicht mit einer positiven Botschaft beginne. Ein Wort Gottes trägt mich den ganzen Tag über in den Abend und in die Nacht. .

Inzwischen ist der Pilgerweg 2OO1 "gelaufen". Der innere und äußere Weg hat wieder Spuren hinterlassen. Mein Konfirmationsspruch hat mich spät aber nicht zu spät erreicht und wird mich auf den noch vor mir liegenden Pilgerwegen begleiten wie die ewige Sehnsucht: