Pilgern - Erfahrungsberichte

08.08.02 Brotterode - Eisenach

von Jutta Messerschmidt

Foto: F.F. HenningTagesbericht vom Donnerstag, den 08.08.2002 von Brotterode nach Eisenach

Dies ist mein 1. Pilgerweg.

Warum ist Pilgern für mich in ? Überall wird Ökumene im täglichen Leben unbewusst praktiziert und wir sagen mit solchen gezielten ökumenischen Aktivitäten den Verantwortlichen in den Kirchen " Aber wir wollen die Ökumene, der Kalte Krieg ist vorbei !"

Jeden Morgen bin ich neugierig, was meine Füße mir sagen, jeden Morgen höre ich "-alles wieder klar, geh` los."- Eine kalte Wachwerd-Dusche und frühstücken, schnell noch ein paar Geranien aus Mutters Kästen für unser Kreuz organisiert und auf geht`s nach Brotterode zu den anderen. Seit gestern abend meckere ich mit mir rum, weil heute mein letzter Tag ist und ich gerne weiter mitgehen möchte.

Sie sind noch beim Frühstück, sehen heute ordentlich ausgeruht aus, lachende Gesichter.

Aufbruch - Willi geht mit dem Kreuz voran, neben ihm Werner mit der Bibel. Die Kerze bleibt im Rucksack . Der Himmel sieht obermies aus, Wolken, Wolken, Wolken, ein paar einzelne Tropfen fallen, ich versuche es erst mal ohne Schirm.

Hallo, wir gehen in die falsche Richtung, unsere Scouts drehen um. Das Kreuz ist jetzt hinten, Willi versteht die Welt nicht mehr.

Bis zum Rennsteig geht es wieder mal schön bergauf. Wann kommt mein Zorn ?? An den letzten Tagen hatte ich an jedem langen steilen Anstieg wegen dieser Quälerei einen derartigen Zorn auf alle einschl. mich selbst, fürchterlich…. Heute bleibt er weg. Wir sind oben, geschafft, es regnet stärker, manche tragen Schirme, die meisten Regencapes, sieht lustig aus. Kurz vorm Dreiherrenstein machen wir eine Pause, Mittagessen. Heute fallen unsere Gebete ins Wasser - Weihwasser von oben, aber die gute Laune bleibt und keiner motzt. Weiter, weiter, wir sind schon ganz schön nass. Willi mit dem Kreuz will`s gleich ganz doll, ohne Pause durch bis Eisenach, der ist ein knallharter Pilger…

Auf dem Rennsteig fällt das Gehen leichter, er ist gut ausgebaut und nicht so aufgeweicht wie die normalen Waldwege. Wir kommen langsam voran, es regnet, regnet, regnet .

Manchmal mache ich mir mein eigenes Schweigen, dann gehe ich alleine. Ungewollt höre ich den Gesprächen der anderen hinter oder neben mir zu. Komm mit uns pilgern und Du erfährst Menschenschicksale, Angst, Sorgen, Not, Freude, Hoffnung, Anteilnahme und Hilfe, Einigkeit, Gemeinsamkeit. Manch einer wird wohl weit genug hinter der Gruppe zurückbleiben und beichten.

Martina stimmt an ." Wir haben Regen im Herzen". Sprüche werden geklopft, wir lachen. Bei der nächsten Pause ist es nicht besser, wir stehen auf einem Parkplatz etwas überdacht , sind aber alle schon patschnass und durchgeweicht. Willi trägt verbissen das Kreuz vor uns her. Die Bibel ist mittlerweile im Rucksack verschwunden.

Am Hubertushof erwartet uns ein Handtuch zum Trocknen, eine heiße Suppe und etwas Wärme. Nach knapp zwei Stunden brechen wir wieder auf - it`s raining again .

Vor der Hohen Sonne greifen Johannes und Helmut ein und wir beten den Rosenkranz - im Regen - wer schweigen möchte, geht hinter uns.

Heilige Maria, Mutter Gottes - ich komme mit dem Inhalt nicht klar - Mutter Gottes - oder Mutter Jesu - oder Mutter von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist - alles in einem? Diese Frage werde ich heute nicht zur Sprache bringen, fällt ins Wasser.

Endlich, die Drachenschlucht, Abenteuerpilgern auf nassen Holzstollen hinunter nach Eisenach. An der Elisabethgrotte machen wir halt. Wir singen : "Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht …. dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut" ein katholisches Haus ? ein evangelisches Haus ? ein jüdisches Haus ?

Es gibt nur einen Gott.

Gegenüber hoch oben steht die unverwüstliche Wartburg , die deutscheste aller Burgen, meint Heine, ich auch. Hier bekam Deutschland eine einheitliche deutsche Sprache durch die Bibelübersetzung von Luther.

Diese Tage - Luther -evangelisch - katholisch - andersgläubig -

Es gibt nur einen Gott.

Es regnet nicht mehr. Im Diakonissen - Mutterhaus erwarten uns die Schwestern . Vor dem Abendessen feiern wir unseren Gottesdienst. Wir hören vom Rosenwunder der heiligen Elisabeth, und in Gruppen aufteilt reichen wir uns eine Rose zu mit unseren Gedanken über diesen Tag, brechen gemeinsam das Brot. Keiner spricht von liturgischen Abläufen, Ritualen oder verschiedenartigen Inhalten.

Es gibt nur einen Gott.

Nach dem Abendessen verabschiede ich mich von allen. Ich wäre so gerne am Hülfensberg dabei….Gottes Segen wird uns begleiten, und wo wir auch sind auf dieser Welt -

Es gibt nur einen Gott - " der Ewigkeiten Vater und Friedefürst"

Jutta Messerschmidt

Foto: F.F. HenningFoto:F.F.HenningPilgerschlange; Foto: F.F. Henning