Pilgern - Erfahrungsberichte

09.08.02 Eisenach - Willershausen

von Hans-Werner Krause

Hans-Werner bei einer kleinen Erfrischung; Foto: F.F. HenningTagesbericht vom Freitag, den 09.08.02 von Eisenach nach Willershausen

Abends waren wir alle durchnässt im Ev.-Luth. Diakonissenhaus in Eisenach mitten in der Stadt am Karlsplatz angekommen.
Nach sehr liebevoller Aufnahme (Sachen trocknen etc.) hatten wir eine gute Nacht.
Morgens nach dem Frühstück hatten wir eine gemeinsame Morgenandacht mit den Diakonissen. Dabei wurden uns auch die Arbeit und Aufgaben des Diakonissenhauses vermittelt. Zum Abschluss sang uns der Chor des Hauses noch ein Lied, das zu "DDR-Zeiten" wegen seines kämpferischen Textes von der Partei verboten war.
Da nun die Wanderkleidung wieder trocken war, begannen wir frohen Mutes den Pilgerweg zum neuen Ziel Willershausen. Auch war keine Regen in Sicht und die Sonne schien uns auf dem Weg.
Welch ein Segen für den Anfang des Tages, wir alle waren sehr dankbar dafür.
Zunächst führte uns der Weg durch die Stadt und dann vorbei an den neuen Opel-Werken immer Richtung Westen. In den Fußgängerzonen zogen wir singend die Augen der frühen Käufer auf uns und es bedurfte mancher Erklärung, die wir gern gaben.
Dann nach der Puncta mit anschließender Schweigezeit erreichten wir wieder die Natur und waren mit unseren Gedanken und Schritten allein. Von manchen Bäumen winkten uns die Blätter vom leichten Wind bewegt fröhlich zu, so hatte ich wenigstens den Eindruck in der Schweigezeit.
Sie Sonne meinte es weiterhin gut mit uns und wir kamen so gegen Mittag in Hörschel unter der großen Werrabrücke (Autobahn) an. Hier ist ein Gedenkstein für den Beginn des Rennsteiges zu finden. Dann gingen wir über die ehemalige Grenze und erreichten die Kirche in Willershausen. Nach kurzer Pause besuchten wir auf dem Friedhof das Grab einer früheren Mitpilgerin und gedachten ihrer im Gebet.


Pfarrer Manfred Gerland, bis vor kurzem Pfarrer in Willershausen und jetzt unser Pilgerleiter hatte schon lange die Vision eines Kreuzwegs für die Gemeinde Willershausen gehabt; nun war sie
Wirklichkeit geworden.
Er hatte ihn, am Willershäuser Friedhof beginnend,
anlegen lassen. Den Rosenkranz betend zogen wir von Station zu Station. Die einzelnen Stationen sind mit kleinen Holzkreuzen an den Bäumen gekennzeichnet.
Aber immer wieder aber ging der Blick in die Landschaft. Wunderschön ist es hier, dachte ich.
Am Feldrain entlang schlängelten wir uns hinauf zum Heiligenberg und zur Mariengrotte. Eine kleine Mutter Gottes saß dort. Wir sangen und Pater Eusebius weihte den Weg ein. Wir hatten kein Weihwasser dabei, aber vom Himmel
fielen Tropfen - gerade in dem Moment, als Eusebius den Segen sprach.
Später erzählte dann Manfred, dass öfter einmal aus dem Dorf die Leute hier herkommen und beten; der Kreuzweg ist also gut angenommen worden.

Auf dem Rückweg hielten wir noch vor dem Wasserschloss, das früher der Familie
von Buttlar gehörte. Frau Schimke-Glas, eine Münchnerin, hat das ganze Anwesen gekauft und einen Golfplatz anlegen lassen. Sie empfing uns freundlich und versprach jedem eine heiße Dusche, denn in ihrer Großzügigkeit hatte sie uns auch noch im umgebauten Schafstall eine Unterkunft bereitgestellt.
Zum Dank sangen wir ihr unser Pilgerlied; ganz aufmerksam hörte sie zu.
Nach dem Kreuzgang hatten wir einen gemeinsamen Abendgottesdienst mit der Gemeinde. Anschließend war gegen alle Pilgerregeln verstoßend, ein Grillabend von den Gemeindemitgliedern arrangiert worden, den wir dann doch ohne Widerworte dankbar nach all den Strapazen der letzten Tage angenommen haben.
So klang der Abend fröhlich und dankbar aus. Wir alle suchten am Ende müde im Dorf die verschiedenen Schlafplätze auf.

Hans-Werner Krause

Was ich dir immer schon einmal sagen wollte...; Foto: F.F. HenningEs scheint tatsächlich die Sonne! Foto: F.F. HenningFoto: F.F. Henning