Pilgern - Erfahrungsberichte

11.08.02 Hülfensberg (Wallfahrtsgottesdienst und Abschied)

von Cornelia van Eikels

Gruppenfoto zum Abschied; Foto: F.F. HenningTagesbericht vom Sonntag, den 11. 08. 02 - letzter Tag - Abschied auf dem Hülfensberg

14.00 Uhr an diesem letzten Tag - ich steh am Herd in meiner Kassler Küche und heule.
Mit einem Schlag sämtlicher Schwestern und Brüder beraubt, eurer Wärme und Gegenwart, eurer Schrullen und Herzlichkeiten, Geschicklichkeiten und Ungeschicklichkeiten - ach!

Morgen früh um 8.00 Uhr soll ich vor neuen Schülern stehen!
Morgen früh bin ich krank.
Ich brauche ganz dringend Urlaub.
Und einen Kurs in: "Wie finde ich meinen Weg in den Alltag - Anleitung für die Tage danach".
Der Heimweg zu Fuß wäre lauter Gnade gewesen.

Aber nun zum Anfang.
Als ich an diesem Sonntag in der Kirche unterm Gnadenbild aufwache, ist es dämmrig. Eine Kerze brennt noch und jemand kniet und betet. Es ist so friedlich.
Hinten werden raschelnd Schlafsäcke und Matten eingerollt.
Beim Rausgehen treffe ich Willi, und wir schmücken das Pilgerkreuz mit frischen Rosen. Beim Frühstück erfahren wir die Tageskilometer: 24 - 31 - 31 - 14 - 28 - 24 - 27 = 179 km. Wir sind ein bisschen stolz auf uns.

Sehr bewegend finde ich die anschließende Blitzlichtrunde. Jede und jeder sagt, wie sich das Unterwegssein angefühlt hat. Es steigt viel Dank zum Himmel, Kreuz-Willi bekommt gar einen Kuss; es wird von neugefundener Heimat und Wege-Engeln gesprochen. Begeisterung ist spürbar über so viele Menschenbegegnungen, aber auch über die Möglichkeit des Schweigens in der Gruppe.
In einem großen Kreis im Freien verabschieden wir uns schweigend.
Dann ziehen wir zum letzten Mal als Pilgergruppe in die Kirche ein, zum festlichen Gottesdienst.
Janina setzt das Motto des diesjährigen Pilgerwegs in Beziehung zu der Geschichte von der Stillung des Sturms. Hier, sagt sie, findet eine besondere Begegnung von Petrus mit Jesus statt. Am Schluss heißt es da: "Und sie traten ins Boot und der Wind legte sich." Stille tritt ein, wenn eine Begegnung mit Jesus wirklich geschehen ist, so empfindet es Janina.

Hier könnte doch gut Schluss sein, aber nach dem Gottesdienst müssen wir Pilger uns so richtig verabschieden, mit Worten, in die Augen sehen und umarmen.
Und Halt! Die Fürbittenzettel aus Kreuzwillis Bauchtasche! Fast vergessen. Da steigen die Bitten, den ganzen Weg beim Kreuz getragen, schon im Rauch zum Himmel, von Liedern und Gebeten begleitet.

In der Gewissheit, dass die tiefen Eindrücke und Begegnungen auf dem gemeinsamen Weg in den nächsten Wochen und Monaten zu inneren Begleitern sich wandeln, Früchte tragen und meinen Glaubensweg bereichern werden, singe ich: "Und bis wir uns wiedersehen halte Gott euch fest in seiner Hand."



Cornelia

Verabschiedung in der Kirche; Foto: F.F. HenningFoto:F.F.Henning