Pilgern - Erfahrungsberichte

Thema des Pilgerweges: "Begegnung"

von Pater Eusebius

Pater Eusebius; Foto: F.F.HenningBegegnung



"Manche Begegnung verändert das ganze Leben" heisst es auf einer Einladung zur Hochzeit.



Bei der Suche im Internet habe ich unter dem Stichwort "Begegnung" auf 90 Seiten 894 Eintragungen gefunden; ein Zeichen, für wie wichtig Begegnungen gehalten werden. Da gibt es:

- Orte der Begegnung; - Häuser der Begegnung

- Gelegenheiten zur Begegnung - Begegnung mit der Schöpfung

- Begegnung zwischen Personen - Begegnung zwischen Nationen

- Begegnung zwischen Kulturen - Begegnung zwischen Religionen

- Begegnung zwischen Konfessionen - Begegnung mit Gott

- Begegnung mit der Geschichte: "Weißt Du noch?"

- Begegnungen, auf die ich mich freue.

- Begegnungen, denen ich am liebesten aus dem Wege gehen würde.



Der Autor Pierre Lassalle sagt von sich: "Meine wichtigste geistige Erfahrung war die Begegnung mit Christus."



Begegnung war das Thema des ökumenischen Pilgerweges von Fulda zum Hülfensberg. Beim Ankommen und bei der Begrüßung wurde schon deutlich, wer zum ersten Mal dabei war und niemand kannte oder wer einen Pilger erwartete und sich auf das Wiedersehen freute. Frühere Begegnungen bei Pilgerwegen hatten eine gemeinsame Erfahrung geschaffen. Die "Altpilger" wussten schon, was sie erwartet und worauf sie sich einlassen.

Der Weg durch die Natur schliesst Herzen auf. Oft hörte man ein "Oooh" und "Aaah", wenn sich in der hessischen und thüringischen Rhön hinter einer Bergkuppe eine neue Landschaft zeigte. Die Begegnung mit der Natur hat manchen Pilger sensibler werden lassen für die Schöpfung.

Das eigentliche Anliegen des Pilgerweges war die Begegnung mit Gott. Dazu gab es mancherlei Gelegenheit. Bei der Sendung am Grab des Hl. Bonifatius im Fuldaer Dom und der Ankunft vor dem Gnadenkreuz auf dem Hülfensberg spürte man förmlich die Anwesenheit Gottes. Täglicher Begleiter war das Wort Gottes, Texte aus dem Neuen Testament, die uns im Gottesdienst und Schriftkreis vorgelegt wurden. Da durfte sich jeder persönlich angesprochen fühlen, wenn Jesus bei dem Wunder der Brotvermehrung seine Jünger auffordert: "Gebt ihr ihnen zu essen!" Oder wenn er die Apostel, die auf dem Berg der Verklärung drei Hütten bauen wollen, wieder den Berg hinab in den Alltag schickt, aber mit einer wichtigen Glaubenserfahrung reicher. Ja, darum geht es letztlich, um den persönlichen Glauben an den Gott, der sich in Jesus mitteilt und wirkt, sowohl in den biblischen Geschichten als auch in der je eigenen Begegnung.

Orte der persönlichen Begegnung mit Gott sind die Sakramente. In dem Gotesdienst auf dem Gehülfersberg haben wir uns erinnert an die Taufe und unsere Gott-Zugehörigkeit. In der Beichte geschah echte Vergebung, die den Weg frei macht für den Neuanfang. Die tiefste Begegnung geschieht wohl im Abendmahl und Kommunion. Darum wird hier auch die konfessionelle Trennung am schmerzlichsten erfahren. Ich für meinen Teil möchte diesen Schmerz noch aushalten als Motivation dafür, meine ganze Kraft einzusetzen für eine baldige Einheit der christlichen Kirchen.

Die Nacht der Anbetung in Bremen habe ich als einen der Höhepunkte dieses Pilgerweges erlebt. Die Begegnung mit dem Herrn, das bei-ihm-sein-wollen hat uns menschlich einander näher gebracht; hat uns geholfen, Egoismen aufzugeben, Gemeinsamkeiten zu sehen, Verbindendes zu suchen, einander geschwisterlich in der Weggemeinschaft verbunden zu sein.

Manche Begegnung verändert das ganze Leben. Das gilt wohl nicht nur für Brautpaare. Die Begegnung mit Gott und mit den Pilgerbrüdern und Pilgerschwestern hat uns verändert in den Alltag zurückkehren lassen.

Br. Eusebius