Pilgern - Erfahrungsberichte

19.07.03 Ankunft und Einstimmung im Kopt.-orth. Kloster Brenkhausen/Höxter

von Hans-Werner Krause (19.07.2003)

Kopt.-orth. Kloster BrenkhausenÖkumenischer Pilgerweg: "Weser-Werra-Kloster-Weg"
Bericht über den ersten Tag, 19. Juli 2003 Aufbruch und Ankunft
Von Hans-Werner Krause, Rotenburg

Der erste Tag:

Da war er nun der lang ersehnte Tag, Beginn des ökumenischen Pilgerweges. Meine Frau Lore und ich, hatten schon Tage vorher alles zurechtgelegt und gepackt, es sollte ja so wenig wie möglich mitgenommen werden. Also hieß es das Gepäck auf das Notwendigste beschränken. Der Zug war schon lange herausgesucht worden und wie stellen wir es an, dass wir auch vom Hülfensberg ohne größere Umstände wieder zurückkommen. Also beschlossen wir aus logistischen Gründen bis Bad Sooden-Allendorf mit dem Pkw zu fahren und von dort mit dem Zug nach Höxter. So haben wir es dann auch getan. Für Autofahrer ist es immer wieder ein neues Erlebnis, mit dem Zug zu fahren und all die Unabwägbarkeiten zu erleben. Da wir aber auf dem Pilgerweg sind, haben wir innerlich eine andere Einstellung und nehmen auch Zugverspätungen leicht. Umsteigen in Göttingen und auch hier gleich das erste positive Erlebnis, die ersten bekannten Pilger bevölkern auch schon den Zug aus anderen Richtungen und die Begrüßungen sind sehr herzlich nach der langen Zeit des Nichtsehens und es gibt viel auszutauschen. In Höxter am Bahnhof ist dann mit dem Zugfahren Schluss und es geht mit einem Bus weiter. Hier an der Bushaltestelle stellt sich heraus, das da auch noch andere Unbekannte aber mit sichtbaren Pilgergepäck herumstehen. Schnell ist die Bekanntschaft geschlossen und wir füllen, den sonst sicher leeren Bus nach Brenkhausen, doch beträchtlich, und die Stimmung ist auch schon sehr gut und gelöst. Dann sind wir also so gegen 15.00 Uhr in Brenkhausen und nach einem kurzen Fußweg erreichen wir die erste Station das Koptisch-Orthodoxe Kloster.
Bischof Damian begrüßt jeden der ankommenden Pilger mit einer einladenden Herzlichkeit, die nur er ausstrahlen kann. Er spricht fließend deutsch, obwohl man das aufgrund seiner für mich anmutenden orientalischen Tracht, die er trägt, nicht gleich vermuten würde. Mit seinen Mitarbeitern spricht er arabisch. Auf meine nähere Frage hin, sagt er: "Leider, müssen wir arabisch sprechen, denn die koptische Sprache ist so gut wie ausgestorben und wird nicht mehr benutzt, viel lieber würden wir uns in der koptischen Sprache unterhalten." Es kommen immer mehr Pilger aus allen Richtungen und Bischof Damian entschließt sich auch noch die letzten Zimmer für die Pilger zu opfern, darunter auch selbst seine Privatgemächer!!. "Das habe ich noch nie gemacht, ich muss verrückt sein", meinte er scherzhaft. Meine Frau und ich durften dann das Vorrecht genießen, eine Nacht im Bischofsgemach zu nächtigen. Das gibt es eben auch beim Pilgern, ganz neue Eindrücke und unvermutete Überraschungen.
Dann konnten wir bestaunen, was so ein Bischofswort bewirken kann. Auf die Frage, ob wir Durst und Hunger hätten, es war so gegen 15.30 Uhr, und wir dies bejahten. War in "Null Komma nichts", eine große Tee -und Kaffeetafel im Schatten, es war sehr heiss, aufgebaut. Dazu gab es frisches Brot. Wir liessen es uns schmecken und es war gleichzeitig eine gute Begrüssung für alle Neuankommenden.
Gegen 16.30 Uhr, es waren nun alle da, versammelten wir uns in dem großen Raum im Kloster und Bischof Damian hiess uns alle nochmals offiziell herzlich willkommen. Nach dem reichlichen Essen, welches uns vom Kloster gereicht wurde, aus ökologischem Anbau stammendes Gemüse, fand eine kurze Vorstellungsrunde unter den Pilgern statt und es wurden auch die einzelnen notwendigen Dienste (Küche, Besendienst, Kofferpacker, Wecken, 1. Hilfe usw.) verteilt.
Dann schloss sich eine für mich etwas wehmütige Verabschiedung an. Unser uns von der ersten Stunde an begleitende Pater Eusebius vom Hülfensberg kann aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes, leider nicht mehr mitpilgern. Er war extra nach Kloster Brenkhausen gekommen, um sich von uns zu verabschieden. Manfred Gerland und Helmut Heiland mit denen er zusammen 1998 den ökumenischen Pilgerweg Eichsfeld-Nordhessen aus der Taufe gehoben hatte, verabschiedeten Eusebius mit zutiefst herzlichen und bewegenden Worten.
Als Andenken für seine erfolgreiche ökumenische Mitarbeit und sein Mitpilgern, und die Hilfe, die er durch seine Anwesenheit und seinen Rat allen Pilgern gleich welcher Glaubensrichtung gegeben hat, erhielt Pater Eusebius das mit vielen Erinnerungen behaftete Holzkreuz, das uns seit 2000 von Kreuzträger Willi Laufer vorangetragen wurde.
Wir alle, die wir je mit dir Eusebius gepilgert sind, werden dich stets auf unseren Wegen und nicht nur den Pilgerwegen in unseren Herzen und Gedanken mitgehen lassen. Wir wünschen dir alles Gute und noch viel Gesundheit bei deinem neuen Arbeitsfeld in Werl.
Zum Fortbestand des großartigen Pilgerweges hat sich Pater Rolf vom Hülfensberg bereit erklärt, den Platz von Pater Eusebius einzunehmen. Wir alle sind sehr froh, dass sich das so ergeben hat, denn der Hülfensberg ist immer ein Anfang und Ziel für uns Pilger gewesen und soll es auch in Zukunft bleiben.
Nach diesem ereignisreichen Geschehen hatten wir noch eine Begegnung mit Bischof Damian in der Kirche.
Er klärte uns zuerst kurz, was "koptisch-orthodox" heisst. Es hat immer drei Bedeutungen:
1. ägyptisch
2. christlich
3. orthodox
Die Kopten sind die direkten Nachkommen der alten Ägypter, des Volkes der Pharaonen im Land der Obelisken und Pyramiden. Die Orthodox-koptische Kirche gründet sich auf die Missionierung des Apostel Markus (62n.Chr.), somit wurde Ägypten als eines der ersten Länder der Welt christianisiert.
Weitere sehr interessante Informationen sollte sich der Leser dieser Zeilen aus dem Internet unter: www.kopten.de holen.
Im Laufe der informativen Ausführungen durch Bischof Damian war es Nacht geworden. Nach alter Pilgerregel beginnt nach dem Abendgebet auch die Schweigezeit. Für einen "Neuling" bei der Pilgerei sicher eine ganz neue Erfahrung bis zum Morgen und darüber hinaus erst nach dem Frühgebet zum Frühstück wieder kommunizieren zu dürfen.
Aber sicher für jeden eine erholsame Zeit, weil dadurch die Gedanken geordnet werden können - auf was habe ich mich da eingelassen- wie wird das werden?- halte ich das aus? -warum mache ich das eigentlich?-
Kann ich mich da einfügen?- und es folgt ein erholsamer Schlaf, ohne Störungen durch das Sprechen anderer.
Am Morgen verabschiedete uns Bischof Damian, mit den mir unvergesslichen Worten:" Es war schön, dass sie hier waren. Machen sie weiter so! Gehen sie zu den Menschen und erzählen sie ihnen von Jesus Christus! Deutschland braucht Sie!"

Hans-Werner Krause zum 6. Mal als Pilger dabei.

Verabschiedung von Pater EusebiusKopt. Nonnen mit Bischof DamianDank und Abschied