Pilgern - Erfahrungsberichte

20.07.03 Brenkhausen - Helmarshausen

von Beate Haupt

Puncta - Geistlicher ImpulsBericht: 1. Tag Brenkhausen nach Helmarshausen

Der Pilgerweg ist zu Ende. Ich bin wieder zu Hause, in Wethen an meinem Schreibtisch. Und nun habe ich noch eine Aufgabe zu erfüllen: Ein Bericht vom ersten Pilgertag, Sonntag 20.7., von Brenkhausen nach Helmarshausen.

Freundlich geweckt werde ich an diesem ersten Sonntag von Martina mit der Gitarre und es folgt gleich ein fürs Pilgern ungewohnter Luxus, eine Dusche im Zimmer für nur knapp 10 Leute. Gut geschlafen habe ich und das Frühstück bringt weitere Ordnung. Durch die Gastfreundlichkeit der Kopten haben wir noch nicht unser mitgebrachtes Abendessen verzehrt. Das kann nun geschehen und, da ich bei Lebensmitteln immer fürs Resteessen zu haben bin, ein weiterer positiver Auftakt. Unser Küchenteam bereichert das Frühstück mit 1-2 Sonntagsfrühstückseiern.
So freundlich und fast überbescheiden verabschiedet uns Bischof Damian in einen sonnigen Sonntag auf den Weg nach Höxter. Die erste Puncta ist angesagt. Bis jetzt ging es recht katholisch zu und als Manfred uns dann erklärt, dass die Tagesheiligen uns auf dem Weg nun eine Woche begleiten sollen, denke ich erst mal, oh, ist das aber viel katholisch. Überraschung geglückt, Manfred! Für den 20. Juli hast Du den "evangelischen" Heiligen Dietrich Bonhoeffer ausgewählt. Herzlichen Dank von einem Bonhoeffer-Fan. Da höre ich begeistert zu und die drei Sätze aus Bonhoeffers Schrift "Gemeinsam leben" will ich gerne exakt zitieren.
"Die leibliche Gegenwart anderer Christen ist dem Gläubigen eine Quelle unvergleichlicher Freude und Stärkung".
"Ein Christ kommt zum anderen nur durch Christus".
"Christliche Bruderschaft ist kein Ideal, sondern eine göttliche Wirklichkeit..., christliche Bruderschaft ist eine pneumatische und nicht eine psychische Wirklichkeit."
Beim Schweigeweg schweifen meine Gedanken weit. Ich merke, ich bin noch nicht angekommen in der Gruppe. Und kurz ist die Schweigezeit auch noch, denn wir haben mal etwas ganz Neues auf dem Programm: eine Schiffsfahrt. Eigentlich ganz nett, aber erstens ist es sehr, sehr sonnig und zweitens juckt es mich irgendwie in den Füßen. Die Weser plätschert dahin und die Zeit auch. So am ersten Tag kann Ausruhen auch anstrengend sein. An der Anlegestelle in Beverungen werden wir vom erstklassigen Versorgungsteam erst mal mit Flüssigem zum Nachfüllen bedacht. Eine kurze gute Sache. Dann geht aber wohl kein Weg am Weserradweg vorbei. Das sind so Stellen, wo ich mich frage, Beate, warum tust du dir das an, zuviel Sonne, zuviel Verkehr auf Rädern, zuviel harter Boden, zuwenig Trinkpausen. Und Mittagsrast, haben die das vergessen? Endlich biegen wir ab in den Wald, ein guter Anstieg, ein herrliches, schattiges Plätzchen unter Bäumen - und Mittagspause. Nach einem reichlichen Mittagessen, Peter hat eine ganze Melone mitgeschleppt. Nach einer kurzen Ruhepause gehen wir in die Kirche der Benediktinerinnen-Abtei von Herstelle zur Non. Ich kenne mich damit nicht aus, sehe leider auch keine der Schwestern, da sie ihren eigenen Kirchenteil haben, aber es ist angenehm kühl. Dann steht uns Schwester Michaela für eine Einführung und alle Fragen zur Verfügung. Ihr frisches munteres Gesicht unter all dem Stoff ermutigt mich, die ich in kurzer Hose schwitze, mal ganz direkt nach ihrem Verhältnis zu ihrer Garderobe zu fragen. Sie muss sie nicht immer tragen, trägt sie oft gern. Das beruhigt mich.
Wir müssen aufbrechen. Wir hatten ja heute, Sonntag, noch gar keinen Gottesdienst, weder Abendmahl noch Eucharistie. Irgendwie kann ich mich an den Weg bis zur Ruine bei Helmarshausen nicht mehr erinnern. Jedenfalls etwas unterhalb der Ruine ist ein netter Mann mit einem kleinen Büdchen. Da wichtiges Zubehör für den Gottesdienst, mindestens der Kelch, noch fehlen, haben wir Pause. Man kann ja direkt neben dem Büdchen nicht seine Wasserflasche herausnehmen, das wäre unhöflich. Also trinken einige Kaffee und ich nütze die Chance für einen Kakao. Das ist ja nicht so ganz pilgermäßig und vielleicht hat es mich die Erinnerung an die letzte Wegstrecke gekostet. Unsere erste Eucharistiefeier findet in zweifach beeindruckender Atmosphäre statt, erstens die Ruine, zweitens das nahende Gewitter. Die Problematik des gemeinsamen Abendmahls hindert uns glücklicherweise nicht an einem großen Kreis. Jeder ist frei in seiner Entscheidung. Rolf lässt extra ein paar Lieder weg, damit wir den Weg noch trockenen Fußes zum Schützenhaus, "stets bergab", schaffen. Das Küchenteam hält Riesen-Töpfe mit Linsensuppe und Würstchen bereit. Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, wie die hübsch gekleideten Schützen in ihren Uniformen hier feiern, ich finde es eher hübsch-hässlich. Wir sind ganz unter uns und können nun auch mal die Vorstellungsrunde nachholen, bei der sich Klaus leider schon verabschieden muss. Es ist schon wertvoll, wenn manchmal jeder aus der Gruppe, die Chance hat, etwas zu sagen und von den anderen etwas zu hören. Manfred erklärt uns noch, dass durch das nächtliche Schweigen jeder Pilger sein Einzelzimmer hat und das ist sicher ein Kontrast angesichts des einen großen Barackenschlafsaals.
Es ist mir noch eingefallen: Auf dem Weg zur Ruine war das freundliche Angebot, den Rosenkranz zu beten, ziemlich katholisch, aber hier offen für alle, die es kennen lernen und üben wollten. Ich bin noch dabei evangelisch zu werden.
Ich sitze an meinem Schreibtisch, in Wethen. Nun weiß ich, warum ich mir das angetan habe: Weil ich auf den Namen Beate getauft bin. Ich danke IHM für das Glücklichsein und den Segen auf diesem Stück Pilger-Lebensweg.

Pilgern per SchiffGottesdienst auf der Krukenburg bei HelmarshausenSuppe fassen