Pilgern - Erfahrungsberichte

Eindrücke einer Pilgerin

von Christel Kölbl

Auf dem Weg zum Gott des Lebens

In der freien Natur sein
mich bewegen, wandern
das einfache Leben leben
singen, Gemeinschaft mit Menschen
und Gott haben
auf Gottes Spuren gesetzt werden ......

all das entsprach mir sehr, als ich zum 1. Mal vom Pilgern hörte und so mache ich mich auf den Weg - mit der Ökumenischen Pilgergruppe Nordhessen-Eichsfeld......

Das Gepäck in meinem Rucksack ist schwer, nicht nur das Reale, doch ich merke, es wird jeden Tag leichter. Manchmal kommen nach 2o -25 km Fußmarsch zu den Blasen auf der Seele auch Blasen an den Füßen dazu! Doch da ist immer mind. ein/e Mitpilger/in, dem es auch nicht anders geht, mit dem ich den Berg gemeinsam erklimmen kann oder der mich über den Fluss zum anderen Ufer trägt.

Ich merke, uns alle verbindet eine Sehnsucht und wir alle suchen das Ziel dieser Sehnsucht. Ob wir es im Schatten Seiner Flügel finden?

Neue Impulse zu dieser Frage geben uns die täglichen geistlichen Rituale und auch die geistliche Betreuung:

Morgengebet
Punkta (evtl. zu den jew. Tagesheiligen oder zu Gestalten der Bibel)
Gehen in der Stille
Mittagsgebet
Schriftteilen/Schriftkreis
Beten mit den Füßen (Rosenkranz- o. Jesusgebet)
Gottesdienst mit Abendmahl o. Eucharistie, Tauferneuerung, Fußwaschung
Abendgebet

Ich lerne immer mehr loszulassen, tanke neue Kraft, finde immer mehr zu Gott und damit zu mir.

Sorget euch nicht, trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles andere zufallen.....
Plötzlich werden das Vollkornbrot, der Quark und die selbstgemachte Marmelade am Morgen, die Fischdose, die Tomate und die Melone am Mittag zur Köstlichkeit und die Suppe oder Pellkartoffel am Abend zum Festessen, die Übernachtung im Freien oder in der Kirche zur Krönung des Tages und der über uns hereinbrechende Regen zum Segen.
Mein Gespanntsein auf das, was vor mir liegt, wandelt sich in ausspannen/entspannen. Plötzlich werde ich jeden Tag wacher und ich kann auch schon morgens um 5 Uhr aufstehen und habe ein Lied auf den Lippen.

Dieses Lied begleitet mich auch auf dem Nachhauseweg und singt hoffentlich auf meinem Pilgerweg durch das Leben weiter.
Auch hier finde ich Gemeinschaft und ich wünsche mir, dass ich das in mir angezündete Licht und die tiefe, überlaufende Freude auch an andere weitergeben kann. Ich kann dies tun in der Gewissheit, dass ich auch hier den größten Wegbegleiter immer an meiner Seite habe. Das macht mich froh und hoffnungsvoll..

Ich bin dankbar, dass ich in diesem Jahr zum 4. Mal den Weg in ökumenischer Gemeinschaft - diesmal den Weser - Werra - Klosterweg vom 19.-27.7.2003 mit etwa 45 Pilgern - mitgehen konnte und ihn ohne große Blessuren überstanden habe. Ich freue mich auf den nächsten und bin schon jetzt gespannt, welche Überraschungen oder Aufgaben er dann für mich bereithält.
Vor allem merke ich aber, das sich schon jetzt ein Wunsch erfüllt hat, ich wache morgens auf und singe leise vor mich hin, z.B.

Saget danke alle Zeit Gott dem Vater, saget danke allezeit.....

Christel Kölbl