Pilgern - Erfahrungsberichte

26.07.03 Bad Sooden-Allendorf - Hülfensberg

von Waltraud Kohlhase

PilgerkreuzLetzter Tag der Pilgerstrecke: 26.07.03 von Bad Sooden-Allendorf zum HÜLFENSBERG:
Klaus Rinke aus Arenshausen ist heute unser Streckenmeister. Die Wegstrecke ist SOODEN
- ALLENDORF - WERRABRÜCKE - RICHTUNG SCHLOSS ROTHESTEIN - LINKS
RICHTUNG "GOBERT" AUF DEM KAMM ein Stück entlang der ehemaligen Zonengrenze,
dann weiter über VOLKERODE - PFAFFSCHWENDE - GROSSTÖPFER - HÜLFENSBERG!
26.07.03
4 Uhr 30 Wecken mit Flötenspiel
5 Uhr 30 Morgengebet - JESAJA: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, der Herr ist ein ewiger - Er gibt dem Müden Kraft, die auf den Herrn vertrauen, schöpfen Kraft, sie gehen und werden nicht matt.
8 Uhr - auf dem Weg zum Aufstieg zur GOBERT machen wir an einem sehr schönen Rastplatz Halt - leider beginnt es zu regnen! Hier halten wir unsre PUNKTA: Manfred Gerland stellt uns einen ev. Heiligen vor: Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf - 1700 in Dresden geb., gest. 1760 in Herrenhut, studierte Rechtswissenschaft in Wittenberg, seit 1722 nahm er BÖHMISCHE BRÜDER, die wegen ihres Glaubens aus Mähren ausgewandert waren, auf seinem Gut in der Oberlausitz auf und gründete die Kolonie "HERRENHUT". Zinzendorf wurde 1734 luth. Geistlicher und ließ sich 1737 in Berlin die mährische Bischofswürde erteilen. Aus der Kolonie HERRENHUT entstand das eigenständige politisch-kirchliche Gemeinwesen der "erneuerten Brüderunität (Brüdergemeine). Hier beginnt die Herausgabe der LOSUNGEN. Losungen sind kurze Schriftworte aus dem AT sowie Lehrtexte aus dem NT für das tägl. Leben mit dem Wort Gottes.
Um 9 Uhr geht unser Pilgerweg in Stille weiter - immer den Berg hinauf und im Regen.
Klaus führt uns dann zu einem Ausblick, von wo wir das Schloss Rothestein unter uns liegen sehen, aber noch nicht so weit entfernt. Dann steigen wir weiter den Berg an und erreichen den Kamm des GOBERT. Hier schauen wir schon in weiter Ferne Schloss ROTHESTEIN sowie die B 27. Selbst wir, die wir hier zuhause sind (jedenfalls im WK) waren noch nicht auf diesem Gebirgskamm, da er hinter der Grenze lag. Wir machen eine kleine Rast und dürfen wieder sprechen. Dann steigen wir noch etwas an, und erreichen den Grenzstreifen mit den beiden Fahrspuren, auf denen wir weitergehen.
Um 9 Uhr 50 erreichen wir eine Stelle, an der früher das Forsthaus "Gobert" gestanden hat. Hier ist 1991 eine Mariengrotte gebaut worden mit einer wunderschönen Marienstatue aus Dankbarkeit für die Wiedervereinigung. Willibald Marx hat uns hier sehr viel über die Ereignisse während der sowjetischen Besatzungszeit sowie der DDR-Zeit erzählt. Für mich war dieser Weg über die Grenze, die uns hier solange bedroht hat, sehr beeindruckend. Gegen 11 Uhr 30 erreichen wir die Marienkapelle, welche in Felsen oberhalb von VOLKENRODA gehauen wurde. Pater Rolf singt hier den "LOBGESANG Mariens - "Preise meine Seele" und wir singen gemeinsam "Meerstern, ich dich grüße". Um 12 Uhr beten wir gemeinsam das Friedensgebet und singen "Verleih uns Frieden". Auf der Straße zwischen Pfaffschwende und Großtöpfer finden wir einen großen Parkplatz und Willi und Hubert sind schon da, um uns zu bewirten. Die Beiden waren immer ganz klasse. Da das Wetter nicht so günstig war, haben wir hier keine Ruhepause eingelegt, sondern begannen um 13 Uhr mit "Bibelteilen" Joh.12, 44-50. Um 14 Uhr 45 erreichen wir die Kirche "Der gute Hirte" in Großtöpfer und werden von der Pfarrersfrau sowie dem Küster herzlich begrüßt. Hier im Eichsfeld befindet sich die evangelische Kirche in der Diaspora. Der Küster hat uns ganz liebevoll die Kirche erklärt, welche sich auch in einem sehr guten Zustand befindet.
Von hier aus beginnt die letzte Etappe unseres Pilgerweges immer bergauf - bis auf die Strecke der alten Bahngleise - der Regen hat längst aufgehört. Ich bin noch nie hier gewesen und bin von der Landschaft sowie dem Anblick des "Hülfensberges" begeistert. Es ist 15 Uhr 30 und wir sammelten uns an der 5. Kreuzwegstation. Die Stationen sind in ihrem Ausdruck sehr gut wahrzunehmen. Pater Rolf beschreibt uns jede Station sehr ausführlich und fügt entsprechende Fürbitten hinzu. Das Wetter hatte sich sehr gebessert, aber der Aufstieg hat uns doch sehr viel Schweiß gekostet. Um 16 Uhr 15 sind wir unter dem Läuten der Glocke in die Wallfahrtskirche eingezogen. Für mich war es ein ganz bewegendes Erlebnis hier in der Kirche gesund und heil angekommen zu sein. Es war wunderbar, dass wir dann "Großer Gott, wir loben dich" gesungen haben. Nachdem ich mich innerlich gefunden und Gott dankgesagt hatte, wurde uns dann im Pilgersaal eine wunderbare Mahlzeit gereicht. Es gab auch Kaffee!. Alle waren - nach meiner Ansicht - sehr beeindruckt davon, dass wir diesen Pilgerweg mit Gottes Hilfe so gut bewältigt hatten.
Unser wunderbares Essen, welches Frau Költzel - (Köchin in Germerode) für uns bereitet hatte, bestand aus folgenden Gängen: Brot mit Butterschmalz, Pellkartoffeln mit Quark, Gurken, Sahne-Specksoße, sowie Rote Grütze und Vanillesoße. Es war einfach super! Wir haben uns auch mit einem Lied bei ihr bedankt. Dann wurde Quartier gemacht und geduscht. Alle Duschen waren pausenlos besetzt. 19 Uhr 30 trafen wir uns draußen unter den Bäumen im Kreis und es wurde Resümee gezogen. Es war ein sehr gutes Ergebnis. Ich persönlich bin sehr beeindruckt von diesem wunderbaren gemeinsamen - ökumenischen Weg -. Ich habe es persönlich so intensiv noch nicht erlebt. Ich habe dieses auch Manfred Gerland gegenüber ausgedrückt.
Um 21. Uhr fand dann in der Wallfahrtskirche ein Segnungsgottesdienst, an dem wohl fast alle teilgenommen haben. Dieser wunderbare Tag schloss mit einem gemütlichen Beisammensein im Pilgersaal bei einem Bier und Eis.
Waltraud Kohlhase - Großalmerode -

Kapelle im WaldKurz vor dem Ziel - Wir gehen betend den Kreuzweg zum HülfensbergWir sind am Ziel - der Gehülfe empfängt uns