Pilgern - Erfahrungsberichte

27.07.03 Abschluss auf dem Hülfensberg

von Karin Backhaus

Rückblick und AusblickLetzter Tag

Ich habe meine letzte Nacht vor dem Gnadenkreuz des Gehülfen verbracht, in der Kirche. Es war kein tiefer Schlaf, immer wieder wachte ich auf und schaute in sein gütiges Antlitz, beschienen vom warmen Glanz brennender Kerzen. Am Morgen weckte uns die Flöte von Gabriele. Es ist Sonntag Morgen auf dem Hülfensberg, der letzte Tag bricht an. Heute heißt es Abschiednehmen und wieder nach Hause fahren für Manfred, meinen Mann, und mich. Andere werden zu neuen Reisezielen aufbrechen.

Zunächst bekommen wir wieder ein gutes Frühstück, diesmal mit Kaffee, der nicht heimlich getrunken wird. Danach treten wir in den Abschiedskreis ein. Freddy drückt für uns alle die Hoffnung aus, dass die Samen des Pilgerwegs auf dem Weg, den jeder von uns jetzt vor sich hat, keimen und Früchte bringen möge. In unserer Mitte lösen sich die vielen schriftlich festgehaltenen Fürbitten und Gebete in Weihrauch auf und steigen zum Himmel hoch.

Es heißt Abschiednehmen, jeder von jedem. Gute Worte und Wünsche, Dankbarkeit und auch Tränen begleiten unsere Umarmungen. Ich erlebe, wie jeder einzelne versucht, in wenigen Worten das Besondere und Wesentliche seiner Begegnung mit dem anderen auszutauschen. Es tut gut, diese gewachsene Offenheit und Ehrlichkeit erleben zu dürfen, und ich spüre deutlich die Nähe, die in der letzten Woche zwischen uns gewachsen ist.

Um 10 Uhr beginnt im Freien die Hl. Messe mit Gästen aus der Umgebung und mit Pater Rolf. Wir Pilger ziehen aus der Kirche heraus gemeinsam in den Gottesdienst. Noch einmal werden die Lieder der letzten Tage angestimmt, noch einmal gemeinsam Abendmahl bzw. Eucharistie gefeiert. Zum Ausgang singen wir "Möge die Straße uns zusammenführen ...".

Dann geht auch dieser Gottesdienst zu Ende, und wir verteilen uns auf die Autos, die uns wegbringen werden. Mein Mann und ich müssen zurück nach Höxter, wo unser Wagen steht. Kreuzwilli bringt mich nach Eschwege zum Bahnhof. Im Auto erzählt er mir von seinem diesjährigen Pilgerweg quer durch Spanien bis ans Ende der Welt. Ich wünschte, ich könnte den Weg auch gehen, in einem anderen Jahr, vielleicht mit einem Esel ...

Doris, Manfred und ich fahren mit dem Zug zurück nach Höxter. Es ist Sonntag, wir müssen dreimal umsteigen bis wir gegen 15 Uhr dort sind. Alles scheint langsam und gemächlich zu gehen, welch eine Gnade. "Nur nicht zu schnell wieder daheim sein" schießt es mir durch den Kopf. Dann sind wir am Auto. Etwas wehmütig erleben wir das Umsteigen von den eigenen Füßen in unser Gefährt. Wir fahren nach Hause, müde und zufrieden. Uns geht der letzte Tag noch einmal durch den Kopf.

Zu Hause angekommen werden wir bekocht von unserer großen Tochter. Auch dieser warme Empfang hilft uns, wieder einzutreten in unseren Alltag.


Karin Backhaus

Unsere Gebet steigen auf mit Weihrauch zu Gott - Verbrennen der GebetszettelDer Abstieg vom Berg der Verklärung - Rückkehr in den Alltag