Pilgern - Erfahrungsberichte

23.07.03 Bursfelde - Hann. Münden

von Hermann J. Dietrich

Hermann J. DietrichVon Bursfelde nach Hann-Münden 23.07.03



Die Flötenklänge von Maria locken uns noch Morgenmüde aus den beiden Teilen der ehrwürdigen Benediktinerkirche und ebenso die Schläfer unter dem langen Schleppdach zur Morgentoilette in die "Nasszellen" der Scheune. Der graue, wolkenverhangene Himmel mit seinem sanften Nieselregen macht mir das Morgenschweigen bis zum Frühstück leicht.

Wie verheißungsvoll später schon die Vorbereitungen für den Abendmahlgottes-dienst: Teppiche werden zusammengerollt und beiseite geschafft, Bänke im großen Oval aufgestellt, und auch ein alter sehr schöner Tisch wird aus dem Raum der Stille herbeigeschafft. Querflöte und Gitarre spielen sich wohlklingend ein; so erwartungsvoll dann alle TeilnehmerInnen, die, gerufen vom vollen Klang der Kirchenglocke, herbeikommen. "Der Himmel geht über allen auf. . .", mehrstimmig gesungen, und darum noch bewegender auch in unseren Herzen .

Und dann Fredis so ansprechende Ausführungen zu Brot und Wein : Brot ist Arbeit, ist gesammelte Kraft, Brot ist Leben. So anschaulich in diesem Zusammenhang dann vor allem Jesu Wort: Ich bin das Weizenkorn. Ich bin das Brot des Lebens . . . geballte Kraft, so wird es mit mir sein, wenn ich sterbe: Ich bin Brot für euch. Und auch der Wein, die versammelte Kraft der Sonne. Nach einem langen Weg, zerquetscht, gekeltert, in großen Fässern vergoren, erfreut, ja berauscht er uns. Wie aufbauend seine Wirkung, aber auch wie zerstörend sie sein kann. Vor allem aber wie innig die Gemeinschaft im Bild von Jesu Wort: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. . . . Gern folge auch ich Fredis Einladung, 2 Anfangssätze zu Ende zu führen:

- Jesus könnte für mich sein wie Brot oder wie Wein, weil . . .

- Manchmal möchte ich sein wie Brot oder wie Wein, doch . . . . . . . . . .

- hält mich davon ab.

Alle Beiträge, eingesammelt, kostbar wie Weizenkörner, Seelennahrung, vor allem jene 3, herausgegriffen und hörbar geworden.

Dieser Gottesdienst, für mich war er einer der besonderen Höhepunkte des

Pilgerwegs. Nach der Puncta entlässt uns Rolf auf den Schweigeweg mit zwei Fragen. Sie können zu weiteren Einsichten führen:

- Was heißt es für mich, dass ich reiche Frucht bringen soll?

- Wie kann ich mein Leben mit Jesus vertiefen und mich ihm so hinhalten, dass er in mir wachsen und leben kann?

12.00 Uhr: Das Mittagsgebet in Wort und Gebärde:

- Geist des lebendigen Gottes, erquicke mich wie der Tau am Morgen

- öffne mich, erfülle mich

- forme mich

- hier bin ich.

Nach der sehr erholsamen langen Mittagspause und dem Bibelkreis zu Lk24,13-35 gehen wir zielstrebig gen Hann-Münden, und besonders freue ich mich auf das Schwimmen in einem richtigen Freibad. Doch gemach! Erst muß es gefunden werden! Die schmalen Pfade durch das umfangreiche Schrebergärten-Areal erscheinen mir nahezu endlos. Hinter dieser langen, hohen Bretterwand,da wird es wohl endlich liegen. Doch die Überraschung: Ein weites Fußballfeld macht uns lange Gesichter. Wie nun weiter? "Am besten gehen wir gleich zur Kirche", bemerkt ein Pilgerbruder verschmitzt, "die finden wir leichter." Nach dem Eintritt durchs "Zählwerk" nimmt Peter eine Auszeit und überlässt uns die Organisation der Gepäckaufbewahrung selbst. Ich staune, wie schnell alles geregelt ist und die Tagesrucksäcke und anderes . gut bewacht beisammen liegen. Noch eben eine Dusche warm und kalt und hinein ins lange Hoch-schwimmbecken. Welch eine Wohltat, welch ein Vergnügen!

Beim Auszug später sind wir alle pünktlich versammelt, nur einer fehlt, unser Kreuzwilli. Doch wohl nicht gar entführt? Schon stellen andere Badbesucher fest: "Eine Wandergruppe." Christa versucht das sofort zu korrigieren und bindet ein Kreuz aus 2 Wanderstöcken, etwas Buntes kommt noch mit hinzu. . ."Wie das aussieht". . ."Ich halte mich da zurück und gehe ganz hinten." Und dann ziehen wir doch singend durch die Stadt zur St. Blasius-Kirche, einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche, direkt am Markt gelegen. Zu Abend essen wir im Corbinushaus und treffen uns um 9.30 zur Gebetsnacht ohne sakramen-tale Aussetzung in dieser evangelischen Kirche eine Pilgerwegpremiere; von jedem frei gestaltet in Dauer und Inhalt. Hilfreich kann sein: Er schaut mich an...Oder: Was möchte ich dem "Gehülfen" mitbringen auf den Berg? Was anderen?

Ich erreiche endlich doch noch telefonisch Tochter und Sohn in Berlin und Bonn an ihrem Geburtstag, die in bester Stimmung mit Freunden feiern.

Mein später Nachtschlaf diesmal im kleinen Innenhof des Corbinushauses unter den weit ausgestreckten Zweigen eines starken Baumes. "Wohin gehen wir -immer nach Hause." (Novalis) Das ist gut so.

Hermann

SchriftkreisSt. Blasius in Hann Münden