Pilgern - Erfahrungsberichte

18.09.03 Kloster Volkenroda - Struth

von Brunhilde Wallborn

Donnerstag: 18.09.2003 - 2. Pilgertag
Volkenroda - Struth

Nach dem Abendgebet im Christus-Pavillon, mit meditativer Musik und gedämpfter Beleuchtung, hatte ich einen wunderbaren Schlaf. Wie könnte es auch anders sein, wenn man in einem richtigen Bett schlafen kann ( 8 Bettzimmer - Doppelstock ) und urlaubsmäßige Bedingungen, für einen Pilger herrschen.

Um 6.00 Uhr
ist Wecken von Werner und Heidrun Lambach. Schöner kann ein Tag gar nicht beginnen.

6.45 Uhr ist Frühstück.
Der Tisch ist liebevoll gedeckt - mit Kerzen und herbstlichem Tischschmuck versehen. Frau Köhler spricht das Tischgebet.

Um 7.45 Uhr nehmen wir am Gottesdienst der Brüder von Gnadenthal teil. In dieser Zisterzienserkirche bewegt mich wieder das Kruzifix.
Jesus Christus ohne Arme,
mit Spuren der Verletzung und Zerstörung,
aus dem Schutt gezogen -
in ihm ist Gott uns nahe in unseren Verletzungen und Schmerzen,
so leidet er mit in unseren Nöten und Einsamkeiten.

Die Lesung des Gottesdienstes ist aus der Apostelgeschichte.

Alle Christen waren ein Herz und eine Seele ... alles gehörte ihnen gemeinsam.
Große Gnade war bei ihnen allen. Für uns ein wenig unwirklich alles zu teilen. Es lohnt sich hinzusehen! Mit offenen Herzen und offenen Händen stehen sie vor Gott. Not macht ihnen keine Angst mehr. Der hl. Geist kann sie in Bewegung setzen.

Es ist der Wunsch für uns Christen, offene Herzen und offene Hände gegenüber Gott und dem Nächsten zu haben.

Nach dem Gottesdienst öffnet uns Werner Meyer, der mit uns schon einige Pilgerwege gegangen ist und zur Zeit als dienstbarer Geist im Kloster tätig ist, den Christus Pavillon.
Es ist herrlich, bei dem Lichteinfall der Morgensonne Betrachtungen anzustellen. Ich habe jetzt Bezug und Vertrautheit zu dieser Kirche, die mir zunächst zu nüchtern erschien, gewonnen.

Nun ist es an der Zeit, Werner für all die Liebesdienste, die er uns erwiesen hat, zu danken. Mit dem Lied "Möge die Straße uns zusammenführen", nehmen wir Abschied und begeben uns auf den Eselsweg.

10.00 Uhr Punkta:
Pfr. Johannes erläutert uns das Bibelwort des Hülfensberges "Licht auf meinem Weg."

Johannes Evangelium 8,12.
"Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben."

Es gilt, sich der Bedeutung des Lichtes bewusst zu werden. Licht - sehen, was uns umgibt. Symbol, was mir Leben möglich macht. Wenn man blind ist, kann man das Licht nicht sehen. Ihnen muss man es sagen, was das Licht für mich bedeutet.
Alle sind blind im richtigen Sehen auf Gott. Die sich nicht berühren lassen, bleiben blind.
Blindsein ein Nichtsehenwollen.
Licht - erkennen von Gott - das sehen, was ein Geheimnis ist.
Offen sein für neue Erkenntnisse.

2 Fragen zur Stille:
Was sehe ich in neuem Licht?
Was kann und was will ich nicht sehen?

Heute darf ich das Kreuz während der Punkta tragen. Harald gibt es mir bereitwillig ab.

Licht - Gedanken: Herrlicher Sonnenschein, blauerHimmel, der Mond zeigt seine Sichel noch. Bäume und Sträucher sind voller Früchte. Gott, wie groß ist deine Liebe zu uns Menschen?
Da fällt mir das kleine Gebet ein:
"Oh Gott, wie groß, wie gut bist du,
wie schön ist deine Welt,
Ich will alles tun,
was dir, o Gott, gefällt."

Mit dem Kreuz bin ich Jesus sehr nahe, er kennt meine geheimsten Gedanken. Ich kann sehr innig zu ihm beten, für die Menschen, die ich sehr liebe und auch für die, um die ich mich sehr sorge. Wie oft hat mich im Leben das Kreuz zum Licht geführt? Viele Erinnerungen sind sehr wach - Traurigkeit und Dankbarkeit bewegen mich.

12.00 Uhr ist Ende der Punkta vor der St. Vitus - Kirche in Ammern. Die Tür zur Kirche ist geöffnet und vor ihr steht die brennende Osterkerze und die Glocke. Wir werden von der Pfarrerin Frau Böhm liebevoll empfangen. Jeder darf sich ein Licht an der Osterkerze anzünden und so gehen wir im Pilgerschritt mit dem Lied "Laudate omnes gentes" um den Altar, um dann die Lichter auf dem Taufstein abzustellen.
Das Wort "Elsa" an dem Taufstein ist die Abkürzung für Engel - Löwe - Stier und Adler, die Symbole der Evangelisten.

Die St. Vitus - Kirche war eine wehrhafte Kirche. 1996 wurde sie in hellen Farben renoviert.
Der Abrahams-Himmel ist mit den 4 Evangelisten dargestellt. Die 3x3 Weihekreuze sind noch aus der 1170 gebauten Kirche zu sehen.

Wir werden zu Kaffee und Tee sehr freundlich eingeladen und machen unsere Mittagsrast auf dem Kirchplatz von Ammern.

Unser Weg führt uns weiter über Hollenbach nach Dörna zu der Kirche St. Georg. Hier werden wir von dem Pfarrer empfangen, der 12 Gemeinden zu betreuen hat. Es besteht die Nachbarschaft zum Eichsfeld, und es wird von einem gegenseitigen Geben und Nehmen gesprochen. Die alte Wehrkirche zeigt eine herrliche Deckenmalerei.
Als besonderes Geschenk spielt uns der Pfarrer noch das Lied "Nun danket alle Gott" auf der bekannten Wegener-Orgel, die auch für Konzerte genutzt wird.

Auf dem Kirchplatz machen wir Rast und finden uns in kleinen Gruppen zum Bibel-Teilen mit dem Thema der Punkta zusammen.

Unser Tagesziel ist Struth und auf der letzten Wegstrecke beten wir den Rosenkranz.

18.30 Uhr erreichen wir die Jacobus-Kirche. Es ist eine wunderschöne helle Barock-Kirche, die am Hauptaltar Jesus mit den Emmaus-Jüngern darstellt. Jacobus, der Schutzpatron der Pilger hat uns sicher hier her geführt.

Reinhards Schwester hat uns eine leckere Gemüse-Suppe gekocht, und darüber hinaus gibt es auch noch Nachtisch.
Um 21.00 Uhr ist das Nachtgebet in der Kirche.

Vikar Heiko gibt uns Weihrauch, und jeder von uns darf zum Altar gehen, diesen Weihrauch opfern und mit ihm sein Gebet zum Himmel empor steigen lassen. Es berührt mich sehr, weil ich eine derartige Opfergabe noch nicht erlebt habe.

Helga, unsere "Kirchenmaus" hat sich um eine Nachtanbetung bemüht und viele von uns sind dankbar, das Allerheiligste in dieser schönen Kirche anzubeten.
Ich habe die Zeit von 11.00 - 12.00 Uhr gewählt.
Müde, aber dankbar und zufrieden suche ich mit der Taschenlampe mein Nachtlager auf.

Brunhilde Wallborn